Lebenslauf in Kurzform 2. Teil

Die Berufsauswahl war schnell abgeschlossen. Mein Vater war selbständiger Schreinermeister und bestrebt seine Firma laufend zu vergrößern. Obwohl sich meine handwerklichen Fähigkeiten in Grenzen hielten und ich weder gut basteln konnte noch sonst was mit Holz zu tun haben wollte wurde ich zur Absolvierung der Schreinerlehre verpflichtet.

Ohne Wenn und Aber! Als vorausschauender Mann erkannte mein Vater den Vorteil einer zusätzlichen kaufmännischen Ausbildung. Ich war froh wenigstens noch drei Jahre in eine Kaufmännische Schule gehen zu dürfen. Der Besuch einer höheren fünf Jahre dauerenden Schule mit Abiturabschluss wurde mir verwehrt. In diesem Fall hätte mein Vater weitere zwei Jahre auf meine Mithilfe in der Schreinerei verzichten müssen.

In der Familie wurde alles dem Aufbau der Firma untergeordnet. Meinen Vater sah ich während der Woche meist nur beim Frühstück. Am Sonntagvormittag war die Erledigung der Buchhaltungsarbeiten angesagt. Am Nachmittag hatte er Zeit für mich. So musste ich die überwiegende Zeit mit meiner Mutter vorliebnehmen. Mit meiner ein Jahr jüngeren Schwester gab es meistens Streit. Beide weiblichen Wesen hielten zusammen. Ich war das dritte Rad am Wagen und wurde aus meiner Sicht entsprechend ungerecht behandelt. Die Tatsache dass ich ein nicht geplantes, ungewolltes Kind und wohl der Grund zur frühzeitigen Heirat meiner Eltern war könnte einer der Gründe gewesen sein.

Zum Glück hatte ich gute Freunde mit denen ich den größten Teil meiner Freizeit verbringen durfte. Jede freie Minute verbrachte ich im Freien, später auf dem Fußballplatz. Fußball spielen wurde meine Leidenschaft. Noch heute bin ich dem damaligen Verein dankbar für die wunderbare Zeit die in dieser Gemeinschaft erleben durfte. Meine Eltern haben in all den Jahren kein einziges Fußballspiel in dem ich mitwirkte besucht. Viele Sonntage an denen kein Spiel auf dem Programm stand durfte ich mit meinem Onkel Adolf verbringen. Er hat den Part eines älteren Bruders übernommen und diesen mustergültig erfüllt. Danke!

In den Wintermonaten war Schifahren angesagt. Meist ging es nach Schuttannen ins Hohenemser kleine aber feine Schigebiet. Dort habe ich wie die meisten meiner Freunde Schifahren gelernt. Ich war so an die fünfzehn Jahre alt als ich am Schlepplift mit einem etwas jüngeren Mädchen zusammentraf. Wir durften/mussten uns den Bügel teilen. Ich fuhr auf der linken das Mädchen auf der rechten Seite. Ich schaute geradeaus oder nach links, sie auf die andere Seite. An ein Gespräch war nicht zu denken. Dazu war ich viel zu scheu. Verstohlen blinzelte ich zur rechten Seite und konnte das Mädchen wenigstens von der Seite betrachten. Ein Gedanke „schoss“ ein: „das könnte einmal deine Frau werden!“ Zu dieser Zeit hatte ich mit Mädchen nichts am Hut. Meine Freunde und Fußball spielen waren viel wichtiger. Und dann das! Naja, etliche Jahre später sind wir in Kontakt gekommen. Das Mädchen hieß Irida und ist heute seit über vierzig Jahren meine Frau.

Zwei Kinder haben wir uns gewünscht. Das heißt, hat sich meine Frau gewünscht. Ich habe mir immer drei Kinder vorgestellt. Zwischendurch ist manchmal die Ahnung aufgekommen ein Kind frühzeitig zu verlieren. Tochter Ramona und Sohn Christian ist nach zehn bzw. acht Jahren Michael als ungeplanter Nachzügler gefolgt. Ich habe mich riesig gefreut. Meine Frau musste sich erst an die Tatsachen gewöhnen und hat Michael schließlich natürlich mit ebensolcher Freude empfangen. Ramona hat sich im Alter von 22 Jahren in die nächste Dimension verabschiedet. Sie war eine hoch spirituelle Tochter und hat ihr Sein in der geliebten Familie sehr genossen. Über Ramona werde ich zu gegebener Zeit berichten.

Die vielen Jahre im ursprünglich nicht gewünschten Beruf haben mich und meine Familie sehr geprägt. Viel Substanz hat mich das Wirken im elterlichen Betrieb gekostet. Auch Freude war dabei. Ich durfte/musste tiefgreifende Lebenserfahrungen in geschäftlichen wie auf familiären Bereichen sammeln. Heute bin ich unendlich dankbar endlich meinen Weg gehen zu dürfen. Dazu später mehr.

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