Lebenslauf in Kurzform 3. Teil

Nach der Beendigung der kaufmännischen Ausbildung, der nachfolgenden Lehrzeit als Schreiner und des Grundwehrdienstes hieß es in der Tat: „antreten im elterlichen Betrieb“. Bereits ab dem zehnten Lebensjahr durfte/musste ich in den Ferien, in der sonstigen Freizeit oft in der Schreinerei mithelfen. So wurde ich daran gewöhnt, dass ich mich den Anforderungen der Firma unterzustellen habe. Da gab es kein „Wenn und Aber“. Mein Vater und auch meine Mutter waren in dieser Hinsicht unerbittlich. Wenige Monate nach dem offiziellen Eintritt wurde ich buchstäblich ins kalte Wasser geworfen.

Ab sofort musste ich meinen Vater im Büro unterstützen. Die mir übertragenen Arbeiten wurden immer mehr, erforderten stetig mehr Wissen und Können. Mein Vater hat sich zwischendurch wohl bemüht mir einiges beizubringen. Vieles musste ich mir jedoch selbst erschaffen. In sechzig, siebzig Arbeitsstunden pro Woche wurde ich stark gefordert. Urlaub gab es nur im Sommer. Zwei Wochen mussten genügen. Dazu kamen viele Besprechungen mit meinem Vater außerhalb der „Dienstzeiten“.

Richtig froh war ich als meine Schwester heiratete und diese Nervensäge endlich nicht mehr bei uns wohnte. Paradoxerweise (?) verliebte ich bei der Hochzeit meiner Schwester in Irida. Sie war „zufällig“ als Abordnung des eingeladenen Alpenvereins mit dabei. In den vorigen Jahren hatten wir mehrmals Kontakt miteinander. Im Rahmen von Jugendveranstaltungen, Tanzabenden haben wir uns getroffen. Stets habe ich versucht einen Bogen um sie herum zu machen. Ich wollte möglichst wenig mit ihr zu tun haben. Nein, die Irida war zu dieser Zeit nicht mein Fall. Umgekehrt war es genauso. Bei der Abendveranstaltung der Hochzeit hat es gefunkt. Nach wenigen Wochen wurden wir ein Paar und haben nach zwei Jahren geheiratet. Die rare Freizeit verbrachten wir miteinander und genossen sie.

Unsere Kinderwünsche wurden erfüllt. Nach der Geburt von Ramona und später Christian übernahm Irida die Kindererziehung und den Haushalt. Meine Aufgaben lagen nach wie vor in der Firma. Tag ein, Tag aus. Ab Samstagmittag hatte ich Zeit für die Familie. Etliche Jahre flogen so dahin ohne dass ich mir richtig bewusst wurde was sich um mich herum ereignete. An Weihnachten war ich regelmäßig einige Tage krank. So um die Vierzig musste ich Irida mit unseren mittlerweile drei Kindern über die Weihnachtsfeiertage alleine lassen und einen sehr dringend nötig gewordenen Erholungsurlaub antreten. Das „Wohlergehen“ der Firma ging über alles. Ich war mitten drin im Sog, eigentlich im Druck und wusste nicht wie mir geschah. Sicher, in dieser Zeit gab es auch in der Firma schöne Momente. Wachstum, Erfolg, gute Mitarbeiter und großenteils faire Kunden halfen mir die überbordenden Belastungen zu ertragen.

1991 verabschiedete sich mein Vater in die Pension. Nun war ich alleiniger Inhaber und Geschäftsführer. Einige wirklich freudvolle Jahre begannen. Ramona war schon ein paar Jahre vorher als Kaufmännischer Lehrling in die Firma eingetreten. Täglich durften wir miteinander arbeiten. Ja, das war schön. Ab Mitte der 90er Jahre wurde mir immer mehr bewusst, dass die Firma nicht mein Ding war, ich einfach in dieses Berufsleben gedrängt, ja dazu genötigt wurde. Immer mehr Gegebenheiten trafen ein die mir das Leben im wahrsten Sinne schwer machten. Obwohl meine Eltern in Pension waren schwebte nach wie vor ihr „Geist“ umher. Ihre laufenden Nachfragen, ihre Kritiken, ihre Bedenken waren nur schwer zu ertragen. Dabei war ich zu einem Teil selbst schuld da ich dies nicht unterband. Teilweise förderte ich das Ganze sogar noch da ich ihnen zu viel erzählte, zu offen war. Jetzt war die Zeit reif, ja überreif um andere Perspektiven zuzulassen.

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